Mein Klassiker Die Musik dieses Werks vermag mich immer wieder mitreissend zu entführen in die historische Umgebung der Serenissima, wo Ruhm und Intrige, Liebe und Tragik und so dicht beieinander liegen. Ein Fest für die Ohren. Mit der Oper Otello stand ich 1997 zum ersten Mal auf der Bühne des Nationaltheaters Mannheim, das mir seitdem zur zweiten Heimat geworden ist.
| | Addio Koloraturarie - Benvenuto Belcanto Die Oper Otello ist mit dem "Falstaff" die einzige Oper Verdis, in der Verdi das Korsett der Nummernoper abstreift und ähnlich Wagner, jedoch auf völlig selbständige und unabhängige Art, zu einer noch geschlossenern weil durchkomponierten Form findet. Vielleicht trifft die Einschätzung, Wagner erreiche das gesteckte Ziel der unendlichen Melodie vom Rezitativ aus, Verdi jedoch von der Arie, zu. Was bei Verdi jedenfalls bleibt, ist die unübertroffene Transformation des melodischen italienischen Sprachduktus in korrespondierende kantable Linien, und es macht bei einer solch mitreißenden Aufnahme wie dieser einfach Spaß, sich an dieser Melodienseligkeit zu berauschen. Nicht nur Soltis expressives, jedoch gleichzeitig so einfühlsames und sensibles Dirigat, sondern auch die Sänger, allen voran Carlo Cossuta und Maragret Price, tragen zu einer überragenden Gesamtinterpretation bei. Am meisten begeistert hat mich wieder einmal der wunderbar cremig-schmelzende Sopran von Margaret Price, der nicht nur Werken der zweiten Wiener Schule (z.B. Altenberg Lieder von Alban Berg, zweites Streichquartett Schönbergs) eine morbide, samtig schimmernde Patina zu verleihen vermag, sondern hier grandios zu der dem Otello völlig ergebenen, bedingungslos liebendenden Figur der Desdemona passt. Wer also die Koloraturarie nicht besonders schätzt und deswegen oft den Griff zur Verdi-CD gescheut hat, jedoch nicht auf kantables, italianità-atmendes Melos verzichten will, dem sei diese Oper, besonders in dieser berückenden Interpretation ans Herz gelegt!
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