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Ideen Berichte[CACHE_20100730] Interessant...Wiener Klassik verwandt. So verwendete z. B. Haydn in seiner Sinfonie Nr. 94 ein österreichisches Kinderlied.
In dem Konzert "Wiener Klassik authentisch" werden die Kammermusikwerke der Wiener Klassik mit historischen lnstrumenten aufgeführt. Dadurch erhält ...
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| | | | Grundsolide Interpretation Gustav Mahler meinte von seiner dritten Sinfonie, dass sie voller Banalitäten stecke. In gewisser Weise stimmt das und der streng analytische Stil Pierre Boulez' wird dem nicht immer gerecht.
Die dritte Sinfonie Mahlers ist von pantheistischer Aussage: Gott steckt in allem. Symbolisch lässt er im ersten Satz den Naturgott Pan in einem Marsch einziehen. Dieser Satz ist heikel, denn die Überlänge kann bei fadem Dirigat dazu führen, dass derselbe versandet, obschon er markig, mitreißend und fesselnd sein kann. Das Spiel der Wiener Philharmoniker ist hier zwar energisch, aber die bereits angesprochene Analytik des französischen Dirigenten hemmt den Fluss vor allem in der Mitte des Satzes. Er ist nicht langweilig oder öde eingespielt, nein; es bleibt allerdings der Beigeschmack, dass es auch besser gehen kann (siehe Bernstein und vor allem Solti), dass die vorliegende Einspielung diesbezüglich nichts Besonderes ist.
Der zweite Satz ist ein naives Menuett, dass Mahler ursprünglich überschrieb mit "Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen". Dieser Satz ist heiter und unbeschwert. Boulez gelingt auch hier nur eine solide Interpretation, da er mit seiner fast akademischen Herangehensweise an diesen Satz demselben jedwede Kindlichkeit raubt.
Ganz anders dagegen im dritten Satz, der original mit "Was mir die Tiere im Walde erzählen" überschrieben war. Wie so oft nimmt Mahler hier Bezug auf eines seiner weniger bekannten Wunderhorn Lieder. Beeindruckend ist hier insbesondere das Posthornsolo im Trio. Ausgezeichnet setzt Boulez diesen Satz um. Das macht Lust auf mehr Wunderhorn Lieder unter seinem Dirigat.
"Was mir der Mensch erzählt" hieß der vierte, herrliche Satz zunächst, bevor Mahler die Überschriften wieder fallen ließ. Er vertont hier das sogenannte Mitternachtslied aus Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra". Anne Sofie von Otters himmlischer Gesang und das kongeniale Spiel der Wiener haben mich von diesem Lied überzeugt, dass ich zuvor immer als unbefriedigend empfand respektive der Textvorlage.
Genauso wundervoll ist das Wunderhorn Lied des fünften Satzes umgesetzt. Mahler vertonte hier, "Was mir die Engeln erzählen", und Boulez trifft das richtige Tempo. Die Chöre und die Solistin liefern eine Glanzleistung ab. Die gewollte Distanz des Dirigenten passt hier genau, die Aussage wird exakt erfasst.
Der letzte und emotionalste Satz kündet von dem, "Was mir die Liebe erzählt". Dieses tief empfundene Adagio bringt Boulez perfekt zu Gehör. Die leidenschaftlichen Ausbrüche wissen zu überzeugen und der Hörer empfindet den natürlich mitschwingenden Weltschmerz zutiefst.
Fazit: Einige Kritiker halten die monströse dritte Sinfonie Mahlers für eines seiner weniger gelungenen Werke. Diese Einspielung - in hervorragender Tonqualität - kann im Großen und Ganzen zwar nicht vom Gegenteil überzeugen; Boulez gelingt aber dennoch eine hörenswerte Alternative.
| | Mahler updated by Boulez Für mich war die 3. Sinfonie (1895/96) von Gustav Mahler bislang ein gigantischer Koloss, der von einem spätromantischen, etwas pathetischen Klangbild geprägt ist, die musikalischen Traditionen von Wagner und Brahms weiter führend. Meine alte Aufnahme von Tilson Thomas zeugte zwar von romantischer Klangschönheit, ich empfand das ganze aber auch als ein wenig antiquiert. Boulez' Interpretation hat meine Meinung zur 3. Sinfonie völlig geändert. Durch Boulez habe ich erst verstanden, dass schon die 3. Sinfonie von Mahler den Beginn der klassischen Moderne einläutet. Besonders der 1. Satz lässt erahnen, dass die Zeit für die grossen Strawinski-Ballette reif ist. Boulez liefert eine sehr zeitgemässe und hörenswerte Interpretation der 3. Sinfonie ab, wo Mahlers Klangwelt höchst modern und nicht irgendwie altbacken ertönt. Boulez' Interpretation ist sicher nicht jedermanns Sache, denn seine Lesart ist völlig unromantisch. Im 1. Satz tönen die Pauken ganz hart, die Bläser schrill, dissonant und zuweilen lärmend und wild. Boulez bietet keine undifferenzierte Klang-Sauce, wo die Widerhaken in der Musik eingeebnet, abgeschwächt und einer Pseudo-Klangschönheit geopfert werden. Statt dessen betont er die innere Zerrissenheit der Musik, setzt geniale Akzente, die im transparenten Klangbild besonderes stark zum Tragen kommen. So heben sich immer wieder sehr schön verschiedene Bläser- und Violin-Soli vom Orchesterhintergrund ab. Zudem betont er stark die Dynamik der Musik, die Veränderung der Lautstärke, von den vielen leisen, kammermusikalischen Stellen bis zu den gewaltigen Klangeruptionen; oder die plötzlichen Geschwindigkeitsveränderungen, Beschleunigungen und Verlangsamungen. Besonders im 5. Satz mit den Chören wird die unromantische Interpretation besonders deutlich. Beim 5. Satz könnte jeder Dirigent gefühlsmässig aus dem Vollen schöpfen und ein kitschiges Rührstück inszenieren. Bei Boulez tönt der 5. Satz seltsam unterkühlt, mit zurückgenommener Emotionalität, was gewöhnungsbedürftig ist. Zudem beginnt der Satz mit einem seltsam gedrückten Klingen. Kein süsser Gesang, wie ihn die Engel besingen. Der 6. Satz, der grosse Adagio-Abgesang, ist einer von Mahlers schönsten Sätzen. Boulez interpretiert diesen in perfekter und glasklarer Klangschönheit. Insgesamt dirigiert Boulez relativ schnell, nur 95 Minuten, was besonders beim grossen Pauken-Finale hörbar ist, das nicht endlos in die Länge gezogen, sondern relativ trocken zum Ende gebracht wird.
| Wunderschöner Klang der Wiener Schon wieder ein gelungener Mahler mit Boulez. Die Wiener spielen unter seiner Leitung sehr genau, aber auch warm und einfach schön. Die verschiedene soli (Posaune, Posthorn) sind perfekt gespielt und Anne-Sofie von Otter singt die Nietzsche-zeilen trotz ihrer relatif hohe Stimme gefühlvoll. Ich besitze jetzt 8 verschiedene Ausführungen dieser Sinfonie und diese gefällt mir am besten. Die Tempi sind richtig, der Klang ist gut: fast wie im konzertsaal und der Spannungsbogen ist da vom Anfang bis zum Ende. Meiner Meinung nach die schönste Sinfonie von Gustav Mahler, und Boulez hat wieder bewiesen wie glaubwürdig seine interpretationen sind.
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